Bezirk
de

Auf Augenhöhe

Vor einiger Zeit ist in unserer Kirchgemeinde ein Wunder wahr geworden:

In unserer kleinen, mittelständischen Kirchgemeinde kamen immer mehr Asylsuchende in den Gottesdienst. Mit ihnen zusammen erleben wir, wie es ist, wenn Gott Menschen in einer bunten und fröhlichen Gemeinschaft zusammenführt.
Natürlich war das Gefälle zwischen Einheimischen und Migranten gross. Aber wir lernen, das zu überwinden. Wir sind gemeinsam Kirche – versöhnte Menschen, die Gott zusammengeführt hat. Das macht uns reich und verändert unseren Glauben.
Darum sind wir Kirche ‚auf Augenhöhe‘. Das bedeutet, dass wir die Verantwortung miteinander teilen. Ein Asylsuchender aus Äthiopien arbeitet in der Leitung mit und gestaltet von Zeit zu Zeit einen Gottesdienst. Die Sonntagsschule machen wir in Zweierteams: Migranten und Einheimische spannen zusammen. Wir lernen so viel mit einander, wie wir zusammen glauben können.
Wir essen regelmässig zusammen und geniessen die internationale Küche. An Festtagen gibt es Injera, das Nationalgericht aus Eritrea und Äthiopien. Oder wir essen tamilisch – eine unerhörte Küche. Manchmal gibt es Reis, wie er in Afghanistan gekocht wird oder norwegische Suppe. Zwischendurch kochen auch mal die Schweizer. Oder dann bringt jemand diese unglaublichen Desserts nach syrischen Rezepten mit.

Das war schon Jesus Christus wichtig. Er hat sich oft zum Essen eingeladen. Zusammen essen ist ein Zeichen von Gottes neuer Welt. So teilen wir auch immer wieder Brot und Wein – weil wir Jesus Christus unter uns feiern.

Kinder

Kinder sind mir wichtig…

Was wir glauben...

Nicht Zwietracht, nicht die Klimaerwärmung, nicht die Lohnungleichheit – und schon gar nicht die Genderfrage sind unser Hauptanliegen. Nicht einmal die Flüchtlingsströme – und erst recht nicht die Sexualmoral. Unser Thema ist das, was Gott in unser Leben hineinträgt. Wir achten nicht auf die Seelenwüsten, auf zugemauerte Beziehungen, auf Grenzzäune oder Vorhängeschlösser. Wir sehen die Blume, die Jesus Christus durch das alles durchbrechen lässt. Wir glauben zusammen, dass Gott uns, unsere Gemeinschaft und die Gesellschaft erneuert und im Zeichen seiner Liebe aufblühen lässt.

Die Evangelisch-methodistische Kirche Baden ist ein guter Ort

Teferi Kassa Biratu

 

Integration – Im Gespräch mit Pfarrer Stefan Moll

Integration ist für euch ein zentrales Anliegen: Was tut ihr da konkret?

Stefan Moll: Zentral sind bei uns die Begegnungen ‚auf Augenhöhe‘, die gemeinsamen Gottesdienste und zusammen essen. Wir bieten aber auch regelmässig Treffen an, in denen Integration geschieht: Treff21 am Mittwoch, das Nähkaffee oder den internationale Bibeltreff.

Wer soll sich denn integrieren?

Stefan Moll: Integration betrifft alle. Natürlich kommen viele Asylsuchende und Migranten mit ihren Familien in unsere Gemeinde. Aber nicht nur sie integrieren sich. Wir alle integrieren uns in ein grösseres Gebilde, in dem der Unterschied zwischen Einheimischen und Migranten bedeutungslos wird. Anders gesagt: es sind vor allem auch Einheimische, die sich integrieren.

Es geht also weniger darum, sich in der Schweiz zu integrieren. In was dann?

Stefan Moll: Ich kann das nur mit einem biblischen Bild sagen: Wir integrieren uns in das Reich Gottes. In Gottes erneuerte Welt hinein. Für alle Menschen ist das ein fremdes Land, in das hinein wir uns integrieren werden. Es ist aber das Land, in dem alle Menschen versöhnt miteinander leben. Hier regiert der Friede von Gott, hier vertrauen wir Jesus Christus. Hier werden alle satt und die Wunden aus dem Leben werden heilen. Gott wird alle Tränen abwischen, wir sind getröstet und getrost. Das ist das Ziel unserer Integration.

 

Wie geschieht diese andere Art der Integration bei euch?

Die Kraft, um auf diese Weise Teil von Gottes neuer Welt zu werden, kommt aus dem Glauben an Jesus Christus. Durch ihn werden wir verändert. Dass wir diesen Weg gemeinsam mit vielen Migranten gehen, ist für uns ein grosses Geschenk. Aus ihrer Lebenssituation heraus sind sie Spezialisten in Sachen Integration und für uns darum ein Vorbild.

Wo erlebt ihr diese Art von Integration?

Dass wir es zusammen aushalten – und dabei fröhlich und beglückt miteinander Kirche sind: das ist schon ein Stück von Gottes neuer Welt. Barrieren zwischen uns verlieren an Bedeutung. Versöhnung wird möglich. Für mich ist das etwas ganz Grosses und Heiliges.